Noch ein Wort zum Thema Linearkugellager ...
Ein Linearkugellager ist gedacht für Anwendungen, bei denen
sich der (lineare) Gleitkörper nicht wesentlich durchbiegt, d.h.,
für Anwendungen, in denen die Querkräfte verglichen mit der
Biegesteifigkeit des Gleitkörpers gering sind.
Bei der Anwendung in einem 40 mm Upside-Down Dämpfer
wird genau diese Forderung extrem verletzt. Es kommt im
Betrieb zu erheblichen Durchbiegungen des 40 mm Gleitrohrs,
wodurch die Last auf einige wenige Wälzkörper verlagert wird,
die dann extremen Flächenpressungen ausgesetzt sind. Es
kommt dann zu den von Albert Motorsport so trefflich
beschriebenen und bitter beklagten Frühschäden. Es ist
aber auch gar nichts anderes zu erwarten.
Ein Laie würde meinen: Ja, so ein 40 mm Gleitrohr mit
dieser Wandstärke - das wird sich kaum durchbiegen.
Weit gefehlt! Die Durchbiegung ist extrem. Erst recht
im Rennwagen mit Slicks. Überfahren von Curbs!
Die Gleitrohre biegen sich durch wie Turnerwürstl,
angesichts der hier auftretenden Biegemomente.
Übertragen auf das rotatorische System ist das so,
als ob sich die Lagerringe eines Radlagers beim
Betrieb belastungsbedingt elliptisch verformen.
Kann man sich vorstellen, dass das nicht lange
halten würde! Die Lagerringe eines Radlagers können sich
aber nicht elliptisch verformen, denn die sitzen auf einem
Achsstummel, der nahezu ideal starr kreisförmig
bleibt in seinem Querschnitt - und zwar unabhängig
von der Belastung. Deshalb halten Radlager sehr lange.
Zurück zum Upside-Down Dämpfer: Aufgrund
der hier auftretenden EXTREMEN Verbiegungen
ist eine Linearkugellagerung in dieser Anwendung
von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Diese Verhältnisse werden wesentlich besser
beherrscht von Gleitlagern, bei denen die Lagerbuchsen
auch nicht aus vollkommen starrem Material
bestehen, sondern aus einem elastisch verformbaren
Material, das sich den Verbiegungen anpasst.
Die Linearkugellagerung wird umso interessanter,
je größer der Durchmesser der Gleitrohre wird. Denn
dann nimmt die Verbiegung drastisch ab und es stehen
wesentlich mehr Wälzkörper zur Verfügung. Mit einem
58 mm Upside-Down Dämpfer (z.B.) könnte man (vielleicht)
eine passable Standzeit erreichen. Würde sagen:
im gerasten Straßenbetrieb muss es mindestens 500.000 km
halten - sonst kann man's vergessen! 