In Berlin wird wieder kräftig reformiert. Zumindest sprachlich.
Denn je schlechter die Lage, desto besser die Ansagen.
Kanzler Fritz stellte sich also hin und verkündete mit ernster Miene:
"Wir müssen uns anstrengen!“
Das kam überraschend. Vor allem für die, die das ohnehin jeden Tag tun.
Überhaupt wirkt die Regierung derzeit wie eine Motivations-Truppe auf Betriebsausflug: Viel Applaus für Durchhalteparolen, aber niemand weiß so genau, wo eigentlich das Ziel liegt , oder ob es überhaupt eines gibt.
Das Konzept ist dabei so einfach wie genial:
Die Bürger sollen mehr arbeiten, weniger verdienen, sich weniger leisten, und das Ganze bitte mit guter Laune. Motivation durch Mangel, sozusagen.
Früher nannte man das Krise, heute heißt es Reform.
Währenddessen wird im Hintergrund fleißig umverteilt, umgebaut und umgedacht. Mal trifft es die Familien, mal die Steuerzahler, mal die Autofahrer.
Wer gerade dran ist, entscheidet offenbar ein Glücksrad im Kanzleramt.
Besonders beeindruckend ist die strategische Klarheit:
Erst Probleme schaffen, dann erklären, warum sie eigentlich Chancen sind. Und wenn das nicht reicht, gibt es eine Talkshow, dort wird dann erläutert, dass weniger Wohlstand auch irgendwie mehr Lebensqualität sein kann.
Die Wirtschaft schaut derweil zu wie ein Beifahrer ohne Lenkrad, während die Regierung das Navi ignoriert und überzeugt sagt: "Wir haben alles im Griff.“
Wohin es geht? Unklar. Hauptsache vorwärts, oder zumindest so wirkend.
Am Ende bleibt der Eindruck einer politischen Mannschaft, die mit großem Ernst kleine Lösungen präsentiert und mit noch größerem Ernst erklärt, warum das alles alternativlos ist.
Oder anders gesagt:
Sie wissen vielleicht, was sie sagen, aber ganz sicher nicht, was sie tun. Deshalb: Vater, vergib Ihnen!