Liebe Alle,
nach den vorangegangenen Fehlern in der Modellpolitik wirkt die Situation bei Porsche tatsächlich wie eine späte Korrektur der eigenen Strategie.
Vor allem im Premiumsegment hat man offenbar unterschätzt, wie stark viele Kunden weiterhin am klassischen Verbrenner festhalten, gerade bei emotionalen Fahrzeugen wie Porsche. Dass nun ausgerechnet ein zwölf Jahre alter Macan die Nachfrage nach dem neuen Elektro-Modell teilweise übertrifft, ist deshalb mehr als nur eine Momentaufnahme. Es zeigt, dass die frühere Annahme eines schnellen und nahezu vollständigen Umstiegs auf Elektroautos zu optimistisch war.
Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern auch um Markenidentität und Kundenpsychologie. Porsche lebt stark von Emotion, Klang, Langstreckentauglichkeit und einem bestimmten Fahrgefühl. Viele Käufer akzeptieren Elektroantriebe zwar grundsätzlich, wollen aber offenbar nicht in dem Tempo wechseln, das Industrie und Politik zeitweise erwartet haben.
Dass Porsche jetzt noch möglichst viele Verbrenner-Macan auf Lager produziert, wirkt deshalb wie ein indirektes Eingeständnis, dass die Nachfrageprognosen für den Elektrobereich zu ambitioniert waren.
Gleichzeitig muss man fairerweise sagen, dass Porsche mit diesen Fehleinschätzungen nicht allein ist und war. Praktisch die gesamte europäische Autoindustrie hat ihre Strategien in einer Phase entwickelt, in der man von dauerhaft steigenden Elektroquoten, stabilen Förderungen und einem sehr schnellen Ausbau der Ladeinfrastruktur ausging.
Inzwischen zeigt sich jedoch, dass der Markt deutlich sensibler reagiert, besonders bei hohen Preisen und unsicherer wirtschaftlicher Lage. Genau deshalb sieht man nun bei vielen Herstellern eine vorsichtigere oder flexiblere Ausrichtung als noch vor zwei oder drei Jahren.