Kundenanfrage zur Instandsetzung eines Porsche 996 Carrera 3,6 4S

  • Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich bin glücklicher Besitzer eines 911 4S Tiptronik Baujahr 05/2002 mit derzeit 75000 km.
    Das Auto braucht derzeit kein Öl(10W60) und kein Wasser.

    Beim Kaltstart(und nur dann) qualmt er machmal,hatte das schon einmal und nachdem
    der Ölabscheider getauscht wurde,war alles wieder i.O.

    Denke es ist dieses Mal dieselbe Ursache.
    Da ich das Auto sehr mag, hätte ich gerne von Ihnen gewußt, wie ich es langfristig solide
    und vor allem zuverlässig machen kann.Und welche Kosten entstehen, um dies zu gewährleisten.

    Ich weiß um die Zylinderlaufbahn Problematik und um das IMS Lager.
    Aktuell läuft der Wagen geräuschfrei rund und hat satten Öldruck.

    Bitte nennen Sie mir Aufwand und Kosten, um mein Auto
    in Ihrem Haus in einen optimalen Zustand zu versetzen.

    Vielen Dank für Ihre Mühen
    Grüße KUNDE XXXXX

  • Sehr geehrter Herr Dr. XXXX,


    vielen Dank für Ihre ausführliche Schilderung. Bei Ihrem 996 Carrera 4S, Baujahr 05/2002,

    mit lediglich 75.000 km und dem von Ihnen beschriebenen aktuellen Zustand würden wir

    das Thema gezielt und ohne unnötige Arbeiten angehen.


    Dass der Motor keinen nennenswerten Öl- oder Kühlmittelverbrauch zeigt, einen guten Öldruck

    aufweist und mechanisch ruhig läuft, ist zunächst ein sehr gutes Zeichen. Der sporadische Rauch

    ausschließlich beim Kaltstart ist dagegen ein Punkt, den wir gezielt untersuchen würden.


    Aufgrund Ihrer Vorgeschichte mit dem bereits einmal erneuerten Ölabscheider liegt die

    Kurbelgehäuseentlüftung als mögliche Ursache nahe. Das würden wir jedoch zunächst prüfen

    und nicht einfach auf Verdacht erneut Teile ersetzen.


    Als ersten Schritt würden wir eine umfassende Motorzustandsprüfung durchführen.

    Dazu gehören insbesondere:

    • Prüfung der Kurbelgehäuseentlüftung und des Ölabscheiders einschließlich
      der Unterdruckverhältnisse
    • Prüfung des Motors auf äußere Öl- und Kühlmittelleckagen
    • Auslesen und Beurteilung der relevanten Motor-Istwerte und Fehlerspeichereinträge
    • Kontrolle der Zündkerzen und Zündspulen
    • Kompressionsprüfung aller sechs Zylinder
    • Druckverlustprüfung aller sechs Zylinder
    • bei entsprechender Auffälligkeit Endoskopie der Zylinderlaufbahnen
    • Kontrolle des Kühlsystems und der relevanten Kühlmittelkomponenten
    • Prüfung der Motorlager und Nebenaggregate
    • Kontrolle der Abgasanlage auf Hinweise auf Ölverbrennung
    • Überprüfung des Motorölzustands sowie der vorhandenen Betriebsparameter

    Damit lässt sich wesentlich besser beurteilen, ob tatsächlich lediglich ein Problem mit

    der Kurbelgehäuseentlüftung vorliegt oder ob es Hinweise auf einen mechanischen

    Zusammenhang gibt.


    Die von Ihnen angesprochene Problematik der Zylinderlaufbahnen würden wir bei

    einem M96 aus diesem Bauzeitraum selbstverständlich berücksichtigen. Entscheidend

    ist jedoch der tatsächliche Befund.


    Wenn Kompression und Druckverlust unauffällig sind und die Endoskopie keine relevanten

    Auffälligkeiten zeigt, besteht aus unserer Sicht kein Grund, einen funktionierenden Motor

    allein aufgrund des Baujahres vorsorglich zu zerlegen.


    Sollten sich dagegen Auffälligkeiten zeigen, kann man anhand des konkreten Befundes

    entscheiden, ob eine weitergehende Untersuchung oder eine Motorinstandsetzung sinnvoll ist.

    Auch das IMS würden wir nicht isoliert betrachten. Bei Ihrem Fahrzeug ist zunächst festzustellen,

    welche IMS-Ausführung verbaut ist und in welchem Zustand sich das Lager befindet.

    Wenn ohnehin eine entsprechende Gelegenheit besteht, beispielsweise im Zusammenhang mit

    einer Kupplungsarbeit, kann ein IMS-Eingriff wirtschaftlich anders zu bewerten sein als eine

    ausschließlich prophylaktische Öffnung des Antriebsstrangs.


    Wir würden deshalb nicht pauschal empfehlen, ein funktionierendes System ohne vorherige

    technische Bewertung auszubauen. Entscheidend sind Bauzustand, Lagerausführung,

    Laufleistung, bisherige Arbeiten und der weitere geplante Nutzungszeitraum des Fahrzeugs.

    Wenn Sie den 996 langfristig behalten möchten, würden wir den Wagen nicht einfach nach dem

    Motto "alles erneuern“ bearbeiten. Sinnvoller ist eine technische Bestandsaufnahme und anschließend

    eine Priorisierung.


    Wir würden den Zustand im Wesentlichen in drei Kategorien einteilen:


    A – sofort erforderlich:

    Arbeiten, die aufgrund eines festgestellten Mangels durchgeführt werden sollten.

    B – präventiv sinnvoll:

    Bauteile, bei denen aufgrund von Alter, Laufleistung oder bekanntem Verschleißrisiko ein Austausch

    sinnvoll ist, obwohl aktuell noch kein akuter Defekt vorliegt.

    C – nicht erforderlich:

    Komponenten, die technisch unauffällig sind und deshalb nicht ohne konkreten Anlass ersetzt

    werden sollten.


    Gerade bei einem 996 mit 75.000 km ist diese Vorgehensweise sinnvoll. Es macht technisch keinen

    Sinn, einen gesunden Motor zu öffnen oder intakte Komponenten nur aufgrund ihres Alters auszutauschen,

    wenn die Prüfung keinen entsprechenden Befund ergibt.


    Die Kosten können wir Ihnen nach der Untersuchung sehr konkret nennen. Eine seriöse Pauschale

    für eine komplette "Optimierung“ wäre dagegen nicht sinnvoll, da zwischen einer reinen Behebung der

    Kaltstart-Rauchentwicklung und einer umfassenden präventiven Revision des Fahrzeugs ein erheblicher

    Unterschied besteht.


    Wenn sich beispielsweise bestätigt, dass lediglich die Kurbelgehäuseentlüftung beziehungsweise

    der Ölabscheider die Ursache ist und Motor, Zylinderlaufbahnen sowie übrige Systeme unauffällig

    sind, wäre eine umfangreiche Motorrevision selbstverständlich nicht gerechtfertigt.


    Sollten wir bei der Untersuchung dagegen Auffälligkeiten feststellen, würden wir Ihnen den konkreten

    Befund dokumentieren und die daraus resultierenden Maßnahmen einschließlich Arbeitsumfang und

    Kosten offenlegen.


    Unser Ziel wäre bei Ihrem Fahrzeug daher nicht, möglichst viele Arbeiten zu verkaufen, sondern zunächst

    festzustellen, was technisch tatsächlich notwendig und was langfristig sinnvoll ist.


    Wenn Sie uns den 996 vorstellen, würden wir deshalb mit einer gründlichen Zustands- und Motorprüfung

    beginnen. Danach können wir Ihnen auf Basis konkreter Messwerte sagen, ob Ihr Fahrzeug lediglich eine

    überschaubare Instandsetzung benötigt oder ob es Punkte gibt, die wir im Hinblick auf eine langfristige

    Nutzung vorsorglich angehen würden.


    Sehr gern antworte ich Ihnen auf weitere Rückfragen.


    Mit freundlichen Grüßen

    Jürgen Albert

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